Repertoire für Erwachsene

Puppets & Poetry

"Puppets+Poetry" ist ein kulturelles Zusammenspiel zu einem übergeordneten Thema. Die erste Ausgabe hat sich ganz der Nachhaltigkeit verschrieben. Das Theater Salz+Pfeffer zeigt den Einakter „Über(s)fischen“, und der Poetry Slammer Michael Jakob stellt sein literarisches Kurzprogramm „Plan(et) B“ vor:

Man sagt „Taten helfen mehr als Worte“. Im Programm „Plan(et) B" wird der Spieß umgedreht: Michael Jakob ist seit einer Müllsammelaktion im Kindergarten immer tatkräftig für Umweltschutz eingestanden, jetzt lässt er den Taten Worte folgen und verarbeitet teilweise sehr autobiografisch, teilweise zynisch-sarkastisch seine Erlebnisse rund um das Thema Weltrettung. So berichtet er von den Schwierigkeiten nachhaltigen Lebens, den Hürden auf dem Weg zum wahren Vegetarier, von launeverderbenden und partyzerstörenden Über-Ökos und erzählt die (fast) wahre Geschichte wie er vor rund 30 Jahren fast Greta Thunberg geworden wäre und somit die Welt gerettet hätte.

Beide Programme dauern jeweils 30 Minuten und können von einer 20minütigen Pause unterbrochen aber auch am Stück gezeigt werden. Plan(et) B kann auch als 45 Minuten-Version angeboten werden womit sich eine Gesamtspieldauer von 75 Minuten ergäbe.

Krimiabend mit Agatha Christie: Die Mausefalle

Im Radio hören die beiden älteren englischen Ladies Margaret und Rosemarie von einem mysteriösen Mordfall: Eine Frau wurde umgebracht, bei der Leiche der Hinweis gefunden, dass der nächste Mord in Monkswell Manor stattfinden wird. In der neueröffneten Pension treffen gerade die ersten, vielleicht etwas eigenartigen, Gäste ein. Als die Gruppe erfährt, dass sich unter ihnen ein Mörder befindet und noch dazu ein Schneesturm das einsame Haus völlig von der Umwelt abschneidet, spitzt sich die Lage dramatisch zu.

Im heimischen Wohnzimmer nehmen Margarete und Rosemarie die Spur auf und beginnen, den Fall mit spielerischem Vergnügen zu klären – Miss Marple hätte ihre wahre Freude daran!

Die Schmidts hat es gereizt unter der Regie von Eva Kaufmann, die Vorlage als Figurentheater zu inszenieren und mit den spezifischen Eigenheiten des Genres zu versehen wie etwa das Ineinanderübergehen verschiedener Handlungs- und Spielebenen. So entstehen ununterbrochen überraschende Wechsel zwischen dem Krimi selbst und der Welt der zwei betagten Detektivinnen. In dem Stück wird immer wieder ein Schrecken erzeugt, der im nächsten Moment humorvoll gebrochen wird. Das geschieht sowohl über das Zusammenwirken von Schau- und Puppenspiel, in dem die Konflikte zwischen den Figuren deutlich werden, als auch durch eindrucksvolle Bilder, die starke morbide Züge tragen.

Die Geschichte wird in deutscher Sprache gespielt, während sich die beiden Ladies auf Englisch verständigen. Jeder, der schon einmal ein bisschen Englisch gelernt hat, kann den beiden Damen problemlos folgen.

Meier Müller Schulz

Komödie? Farce? Tragödie?

Herr Meier, dem sein Alleinsein zu schaffen macht, besorgt sich Herrn Schulz und hält ihn sich als Geisel und Gesellschafter. Doch just in dem Moment klingelt die Nachbarin Frau Müller an der Tür. Auf der Suche nach einem Verlobten steht sie mit selbstgebackenem Streuselkuchen da und entdeckt Herrn Schulz, gefesselt und mit einer Plastiktüte über dem Kopf. Herr Meier versucht die Situation zu retten, stellt Schulz kurzerhand als seinen alten Schulfreund vor, doch Frau Müller lässt nicht locker: „Aha, und wozu haben Sie eine Pistole?"

Drei Menschen auf der Flucht vor der Einsamkeit finden den ultimativen Kick.

Situationskomik und Tragik geben sich die Hand. Man darf sich an diesem Abend köstlich amüsieren, obwohl Herr Meier in seinem Wahn zu versinken und die Gesellschaft sich in ein internationales Geiselimperium zu verwandeln droht.

Shakespeare:
Wie es euch gefällt

„Da blickt doch keiner durch!“ – diese Erkenntnis kommt den beiden Puppenspieler*innen Wally Schmidt und Paul Schmidt schon wenige Minuten nach Beginn der Inszenierung. Also wird mit extra in klein angefertigten Spielfiguren nochmal anschaulich erklärt, wer mit wem verwandt ist, wer wen verbannt hat und wer von welchem der beiden Fürstenhöfe sich mit wem im Ardener Wald verrannt hat.

Und dort treffen sie dann alle aufeinander! Die als Mann verkleidete Rosalind, die sich ihrem Angebeteten Orlando nicht zu erkennen gibt, sondern mit ihm spielt, um seine Liebe zu ihr zu prüfen. Ihre mit ihr geflüchtete Cousine Celia, die sich indes in Oliver verliebt, der wiederum vom verfeindetem Bruder Orlando vor einem Löwen gerettet wird und so seinen Hass aufgibt. Der sie begleitende Narr Probstein verliebt sich in die Ziegenhirtin Käthe und die Hirtin Phöbe, erhört schließlich die Liebesbekundungen vom Schäfer Silvius, nachdem sie erkennen muss, dass Ganymed, dem sie wiederum ihr Herz geschenkt hat, kein Mann, sondern die verkleidete Rosalind ist.

Als Figuren dienen dem Ensemble des Theaters Salz+Pfeffer für die 2021er Neuproduktion die kantigen Kerle* des Künstlers Hardy Kaiser, die aus alten Telegrafenmasten hergestellt werden. Sie sind die idealen Werkzeuge, um die Wahrheiten der Liebe zu ergründen und die Verwirrungen zu entwirren. Und am Ende blickt man dann doch durch und trotz aller Verfeindungen löst sich das Stück in der Idylle des Waldes zu mehr als einem Happy End auf, denn schließlich gibt es vier Hochzeiten und keinen Todesfall.

Über(s)fischen

Was haben ein Lastenrad voll mit Material zum Müll sammeln im öffentlichen Raum und das Märchen „Vom Fischer und seine Frau“ gemeinsam? Zunächst wenig. Außer der Müllsammler ist ein ehemaliger Puppenspieler, denn dann beginnen Müll, Verkehrskegel und das Lastenrad selbst ganz schnell zu Objekten zu werden, mit denen sich vortrefflich Theaterspielen lässt! Und wer das Märchen kennt, erinnert sich möglicherweise an die zerstörte Umwelt und die stinkende See an dessen Ende. Und damit haben wir die Parallele! Denn manch öffentlicher Platz in Nürnberg (und anderen Orten dieser Welt) wirkt, als wären wir auch schon fast am Ende. Als hätten unsere Gier nach mehr und das permanente Erfüllen unserer Bedürfnisse uns an einen Punkt gebracht, wo „die See zu kippen droht“. Und glaubt man den Klimaforschern ist diese Parallele gar nicht so abwegig.

„Über(s)fischen“ ist eine Eigenproduktion des Theaters Salz+Pfeffer, gemacht für draußen, liegen doch die Wurzeln des Hauses am Plärrer im Straßentheater. Das Stück handelt nicht nur vom Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“ sondern auch vom Märchen grenzenlosen Wachstums. Wenn alle Wünsche aus dem Meer gefischt sind und mit Plastikmüll zurückgezahlt, was bleibt dann noch für die Zukunft? Für nachfolgende Generationen? Wie das Märchen ausgeht, das als literarische Vorlage dient, dürfte bekannt sein. Wie die Realität ausgeht haben wir (noch) in der Hand. Und da reicht es sicher nicht mit dem Lastenrad den Müll anderer Leute aufzusammeln. Aber wer weiß, vielleicht ist es ja ein guter Anfang?

Jekyll+Hyde: Face me!

Dr. Henry Jekyll, ein angesehener Londoner Arzt, ist ein Getriebener im Hamsterrad des Alltäglichen und gleichzeitig Suchender nach der Möglichkeit eines anderen Ich. Mit Edward Hyde ersinnt er sich in der schützenden Anonymität der Nacht eine zweite Identität, die „echtes Gefühl“ und „wahres Selbst“ erfahrbar machen soll. Dieser Hyde jedoch entpuppt sich als brutal und kriminell und ergreift bald völlig von Jekyll Besitz ...

Robert Louis Stevensons Novelle aus dem Jahre 1886 hat das Doppelgängermotiv als literarisches Sujet populär gemacht. Knapp 150 Jahre später umkreisen wir die Frage „Was macht mich aus?“ auf unseren Social-Media-Accounts und bewerten das Leben anderer genauso wie unseren letzten Restaurantbesuch. Die Theaterbühne macht den Zeitsprung möglich und so findet sich Dr. Jekyll in seiner Sinnsuche nicht durch eine rigide, viktorianische Gesellschaft abgeurteilt, sondern mit einem Theaterpublikum konfrontiert, das live über Leben und Tod im digitalen Zeitalter entscheidet: „Like“ oder „Dislike“?

Die im Corona-Lockdown erarbeitete Produktion will technische Hürden überwinden und erspüren, wie sich ein digitales Eingreifen des Publikums anfühlt. Über die momentan geltenden Abstandsregeln hinaus sucht das Theater Salz+Pfeffer so die Nähe zu seinem Publikum. Die während der Theaterschließung entstandene Produktion feiert zum geplanten Termin Premiere und zeigt: die Theater bleiben funktionstüchtig, auch wenn die Welt um sie herum aus den Fugen ist.

 

Rita und die Zärtlichkeit der Planierraupe

Rita ist Disponentin in der örtlichen Kiesgrube und Geliebte von deren Besitzer gleich dazu. Ihre Zärtlichkeit für die titelgebende Raupe samt Fahrer entdeckt sie auf einer Verfolgungsjagd vom heimischen Ratziesreuth hoch an die Ostsee. Dorthin unterwegs, um an der Deutschen Meisterschaft im Präzisionsplanieren teilzunehmen, ist Ewald Fricker, vermeintlicher Dorfdepp, in Wahrheit aber bodenständiger Philosoph. Zwischen ihm und seinem Glück steht ein fingierter Konkurs des Kiesgrubenbesitzers, für den die Raupe eigentlich schnellstmöglich zurück ins Kieswerk soll; zwischen Rita und ihrem  Glück steht meist der falsche Mann. Und zwischen Anfang und Ende dieser Geschichte steht das Fernsehteam von „Eure Geschichte – unsere Show“, das das Ganze als Raupen-Roadplay-Lovestory zur Primetime auf Sendung haben will. Dazu brauchen sie die Ratziesreuther, die ihre Geschichte von der Raupe und der Ostsee vor der Kamera nachspielen. Und wenn die irgendwann keine Lust mehr haben, nach der Pfeife des Filmteams zu tanzen, nimmt die Geschichte erst so richtig Fahrt auf ...

Jockel Tschierschs Romanvorlage gerät in der Regie von Eva Kaufmann zu einem Raupen-Roadplay auf Ketten, in dem der Depp zum Helden wird und eine Planierraupe sich von ihrer zärtlichen Seite zeigen darf. Wenn hier das Ende für alle happy wird, hat man die Vorlage ein paar Raupenlängen weit hinter sich gelassen und lässt die Puppen ihr eigenes Ding machen.

Mr. Pilks Irrenhaus

Erleben Sie eine absonderliche Reise durch das skurrile Panoptikum irrwitziger Ansichten und absurder Ereignisse! Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Was ist grotesker als das wahre Leben? Und wer ist hier eigentlich verrückt? Oder um es mit Henry Pilk zu sagen: Irrsinn ist etwas Wunderbares!

Wandern Sie mit Ihrem Blick durch ein irres Haus. Liebevoll mit Lampions dekoriert haben sie es, die drei Anstaltsinsassen. Der eine, der sich für ein Huhn hält, der andere, der nichts mehr unterscheiden kann, der dritte, der seine Tierchen Gassi führt, Haifisch oder Hündchen und die Zündschnur, die eine gescheiterte Hochzeit aufblitzen lässt, bringen Sie mit ihrem eigenwilligen Humor zum Schmunzeln und sorgen für ein absonderlich-besonderes Vergnügen!

Ken Campbell gilt als „eine der seltsamsten Personen Großbritanniens“ (The Guardian). Der britische Autor, Regisseur und Schauspieler wurde in Deutschland Anfang der 70er Jahre durch „Ken Campbell's Road Show“ bekannt. „Mr. Pilks Irrenhaus“ gilt als einer seiner größten Erfolge.

Mahlzeit!

In der Luft der Duft leicht angerösteter Zwiebeln, köchelnder Nudeln und bratenden Krauts, eine wohlige Wärme erfüllt den Raum, man fühlt sich unter Freunden ... Stopp! Wollten Sie nicht gerade noch ins Theater gehen? Hier sind Sie trotzdem richtig!

Bei diesem Theaterabend werden Ihr kulinarischer Appetit und Ihr Theaterhunger zu einem innigen Tänzchen gebeten. Chefkoch Jamie, Küchenhilfe Klaus, drei fränkische Hilfshausmeister und ein belesener Puppen-Professors eröffnen Ihnen so einiges über die Welt des Kochens und Schlemmens. Gerahmt von skurrilen und witzigen Anekdoten aus der Kulturgeschichte des Essens, wird in einer Riesenpfanne live gekocht. Wenn dann noch Kochlöffel, Pfannen und Messer aufeinandertreffen und rhythmische Schwingungen erzeugen, gibt es kein Halten mehr! Und dann ist es auch schon angerichtet. Was so ein bisschen Salz+Pfeffer doch vermag – Mahlzeit!

Eine kurzweilige Kochshow mit virtuoser Küchen-Percussion, knisternder Riesenpfanne und anschließendem Imbiss – einfach köstlich!

Molière:
Der eingebildete Kranke

Argan ist ein wohlhabender Kaufmann und sterbenskrank – wenn es nach ihm geht. Der Hypochonder unterzieht sich allerlei teurer aber unnötiger Kuren, so dass seine geldgierige Frau um ihr Erbe fürchtet. Um die medizinische Versorgung dauerhaft und kostengünstig zu gewährleisten, soll Töchterchen Angélique einen vertrottelten Jung-Arzt heiraten. Was kümmert es den Vater, dass Angélique und der vergeistigte Cleánte unsterblich ineinander verliebt sind? Zum Glück gibt es noch die schlaue Haushälterin Toinette, die dafür sorgt, dass am Ende jeder die Medizin bekommt, die er verdient.

Ein Stück, wie für das Figurentheater gemacht, in dem der (Un-)Tod selbst eine amüsante Hauptrolle übernimmt.