Schritt 1: Das Was, Wie, Warum: Entscheidung zur GWÖ-Kompaktbilanzerstellung

Dienstag, 22. Dezember 2020 15:19

Was genau der Auslöser war, ist im Nachhinein schwer zu definieren. Wir sind da wohl so hineingewachsen. Zuerst haben wir nur noch vegetarisch gekocht, dann haben wir die Feiern in unserem Theater als vegetarisch definiert. Schnell hinzu kam der Überdruss, lästigen Müll zu sortieren. So wurde dann einfach mal beschlossen, dass wir beim Einkauf für unser gemeinsames, stets frisch zu bereitetes Mittagessen auf die Verpackung (bzw. deren Weglassen) achten wollen. Zeitgleich hat dankenswerterweise ein Unverpackt-Laden in der Nähe geöffnet, was uns die Mülleinsparung sehr erleichtert hat.

Die Frage „Wie können wir noch besser werden?“ hat uns dazu veranlasst, nach Möglichkeiten einer Nachhaltigkeitszertifizierung für unseren Betrieb zu suchen. Die ist für einen Kulturanbieter nicht gerade leicht zu finden. Schließlich hat alles auf die Gemeinwohlökonomie gedeutet, einfach, weil wir uns hier in unseren bildungspolitischen Auftrag am besten repräsentiert sahen.


Und warum unbedingt eine Bilanzierung? In unserer kreativen Theaterarbeit sind wir es gewohnt, zielgerichtet auf die nächste Premiere hinzuarbeiten. Dabei entsteht natürlich ein gewisser Druck, ebenso aufgrund der Tatsache, dass wir uns am Ende immer der Kritik der Öffentlichkeit stellen müssen. Es ist wohl nur menschlich, sich ohne klare Zielvorgabe eher einem „Schlendrian“ hinzugeben. Hinzu kommen alltägliche Routinen, die uns davon abhalten, die gewohnten Tätigkeiten zu hinterfragen oder zu ändern. Wir sind viel erfolgreicher, wenn wir ein klares Ziel vor Augen haben, in diesem Fall die Bilanzierung.
Gesagt, getan?! Ganz so einfach ist es dann doch nicht, denn als Kulturbetrieb arbeiten wir mit knappen Zeit- und Personalressourcen. Die GWÖ-Bilanz wird diese nicht unerheblich binden. Und eine Zielsetzung, die uns scheitern lässt, ist nicht motivierend. Also wieder: Wozu das Ganze? Brauchen wir das überhaupt? Die GWÖ hat es uns leicht gemacht und bietet für Einsteiger und kleinere Betriebe eine Peergroup aus vergleichbaren Unternehmen und eine Kompaktbilanz an. Das Konzept, schrittweise intensiver in Richtung Nachhaltigkeit und letztendlich in das Audit der Vollbilanz zu gehen, ist genau das, was uns aus dem kreativen Prozess heraus bekannt ist: erste Versuche starten, dann proben und verbessern. Uns so sind wir nun in einer Peergroup mit fünf weiteren, ganz unterschiedlichen Betrieben und tauschen unsere Erfahrungen aus, unterstützen, ergänzen und überraschen uns gegenseitig. Im Oktober 2021 wollen wir dann das Etappenziel „Kompaktbilanz“ erreicht haben.



Schließlich wollen wir die Innovation und Zukunft Stiftung nicht unerwähnt lassen. Nicht zuletzt sind es unsere Subventionsgeber (Stadt Nürnberg, Bezirk Mittelfranken, Freistaat Bayern), die von uns ein Höchstmaß an Wirtschaftlichkeit fordern, und in Zeiten der Pandemie können wir wirklich keine Sprünge mehr machen. So kam der Kontakt zum Stifterehepaar Schmitz als „Geschenk in der Not“. Die Bewilligung unseres dort gemeinsam mit dem Verein zur Förderung kultureller Projekte im Theater Salz+Pfeffer e. V. gestellten Förderantrags ermöglicht es uns, verschiedenste Projekte zum Thema Nachhaltigkeit zu realisieren. Die GWÖ-Kompaktbilanz ist der erste Teil dieser umfassenden Unterstützung. Bleiben Sie am Ball – bald gibt es noch mehr zu berichten.