Olaf, der Elch ein tierisches Vergnügen
Nach dem Buch von Volker Kriegel
Leseprobe:
Die Geschichte einer wundervollen Freundschaft von zwei Einzelgängern
oder
Wie der einschaufelige Elch und der einäugige Weihnachtsmann ein unschlagbares Gespann wurden
(für Schulkinder und Erwachsene)
Eigentlich war Olaf ein ganz normaler Elch. Er ging gerne im Wald spazieren, fraß am liebsten Pilze mit Heidelbeeren und erschreckte in seiner Freizeit die Autofahrer. Sein Leben hätte genauso ruhig und friedlich verlaufen können wie das der anderen Elche. Hätte. Das sagt sich so dahin. In Wirklichkeit war Olaf nämlich keineswegs ein ganz normaler Elch, im Gegenteil. Von Anfang an hatte es Schwierigkeiten gegeben. Olaf war mit einem auffallend großen Geweih auf die Welt gekommen. Niemals zuvor hatte man unter Elchen ein Kleinkind mit solch riesigen Schaufeln gesehen. Olaf wuchs als Waisenkind bei seiner Tante auf. Seine Mutter war bei seiner Geburt gestorben, und seinen Vater hatte er nie zu Gesicht bekommen.
Mit seinem großen Geweih eckte Olaf schon als Kind ständig irgendwo an. Die anderen Elche machten sich gerne einen Spaß daraus, Olaf zu ärgern. Oft kam Olaf mit tierischen Kopfschmerzen nach Hause. Olaf wurde zum Einzelgänger. Er streifte stundenlang allein durch den Wald, wobei er stets darauf achtete, die großen Geweihschaufeln längs zur Laufrichtung zu halten. Das sah etwas komisch aus, aber so stieß er nirgends an. Am liebsten aber paddelte Olaf auf dem großen, stillen See.
Eines Tages geschah ein Unglück. Olaf war auf dem Nachhauseweg durch den Wald, als ihm zwei Bären entgegenkamen. Olaf hatte zwar keine Angst vor Bären, denn mit seinen Schaufeln konnte er im Notfall gewaltige Ohrfeigen austeilen. Die Bären wussten das ganz genau, und auf freiem Feld hätten sie sich niemals getraut, Olaf anzupöbeln. Jetzt aber, zwischen den Bäumen, war alles ganz anders. Die Bären waren ziemlich betrunken. Und Olaf war blind vor Wut. Nun hatte Olaf nur noch eine Schaufel am Kopf. Das machte ihn endgültig zum Außenseiter.
Olaf war allerdings nicht der Typ, der sich von Schicksalsschlägen dieser Art entmutigen ließ. Im Gegenteil: Er fand schon bald heraus, was man mit der abgebrochenen Schaufel alles machen konnte. Und es kam auch der Tag, an dem Olaf zwei bestimmten Bären mit Hilfe der abgebrochenen Schaufel eine unvergessliche Lektion erteilte. Was jedoch die berufliche Zukunft betraf, so hatte Olaf ganz schlechte Karten. Elche verdienen ihr Geld normalerweise im Weihnachtsgeschäft. Man lässt sich vor einen Schlitten spannen, man stellt sich vor ein Kaufhaus, man lässt sich fotografieren, man läuft als Touristenattraktion durch Wintersportgebiete, man erschreckt irgendwelche Autofahrer fürs Fernsehen - was auch immer. Auf jeden Fall gehört zu all diesen Aufgaben ein intaktes Geweih. Jeder glaubwürdige Elch muss rechts und links am Kopf eine Schaufel tragen. Das ist Voraussetzung. Sonst braucht man gar nicht erst anzutreten.
Wieder einmal war Olaf aus alter Gewohnheit zur Landstraße gelaufen, in der Hoffnung, einen doofen Autofahrer erschrecken zu können. Kaum hatte Olaf hinter einem Baum Deckung genommen, da hörte er auch schon ein deutliches Motorengeräusch. Es klang allerdings nicht so richtig nach einem modernen Auto, sondern eher nach einer altersschwachen Dampfmaschine. Als das Geräusch ganz nahe gekommen war, sprang Olaf aus der Deckung hervor, streckte die abgebrochene Schaufel wie eine Kelle quer über die Straße und rief mit amtlicher Stimme: "Haaalt! Verkehrskontrolle!"
Normalerweise verreißt jeder Autofahrer in diesem Moment voller Panik das Lenkrad, schert jäh aus der Bahn und landet im Straßengraben. Jeder, der schon einmal mit dem Auto im Norden Europas unterwegs war, kennt diese peinliche Situation: man schiebt fluchend den wagen aus dem Graben, während am Straßenrand ein feixender Elch (meistens sind es sogar mehrere) mit dem Finger auf einen zeigt und sich gar nicht mehr einkriegt vor Schadensfreude.
Diesmal jedoch war es anders. ......
Orginalausgabe mit Comicbildern, als gebundene Ausgabe gross/klein und als Taschenbuch
Eventuell auch im Klassensatz zum Ausleihen – fragen Sie uns einfach.
Folge-Bände: Olaf hebt ab und: Olaf taucht ab (Ausgaben wie oben)
Alle Bücher sind beim Theater Salz+Pfeffer erhältlich!
Theater Salz+Pfeffer, Frauentorgraben 73, 90443 Nürnberg, Tel. 0911 – 412 482