Virtuoses Marionettenspiel:


Mit Hilletje Jans wird ein Stück Sozialgeschichte aus dem Alltag des 18. Jahrhunderts gezeigt.

Spannend wird das Spiel durch den Wechsel von dramatischer Ballade mit witzigen Kabarettnummern und virtuosem Spiel.

Holland, irgendwann im 18. Jahr-hundert: Das Dasein der achtjährigen Vollwaise Hilletje Jans ist alles andere als ein Kinderspiel. Nirgendwo findet sie ein Zuhause. Ihrer Tante Therese aber, einer verlotterten Spelunken-Wirtin, kommt sie gerade recht als Sündenbock für einen Mord. So ist klar, wo Hilletje die nächsten Jahre zubringt - im Spinnhaus.

Danach geht die Schinderei weiter unter der Fuchtel der Tante. Hilletje will bloß noch auf und davon. Also schlüpft sie in die nächstbesten Männerklamotten, nennt sich Jan Hille, heuert an und bringt‘s schließlich zum Kapitän.

Erst als Jan Hille heiraten soll, besteht die Gefahr, daß die Verkleidung auffliegt ...

Elisabeth Zeitler


Historische Hintergründe:


“...Tausende von Frauen haben das Leben als Männer dem weiblichen Dasein vorgezogen. Allein für die Niederlande des 17. und 18. Jahrhunderts haben Lotte van de Pol und Rudolf Dekker einhundertzwanzig authentische Fälle ausfindig machen können ...“ Historische Hintergründe:

“... Dabei handelt es sich jedoch nur um die Spitze eines Eisberges. Denn nicht jede Frau, die hin und wieder ihr “Geschlecht wechselte“, wurde entdeckt und vor Gericht gebracht oder in Zeitungen oder Abhandlungen erwähnt.

Aus den meisten Lebens-berichten solcher Frauen läßt sich ablesen, daß vor allem die Sehnsucht nach mehr Freiheit ausschlaggebend für den Kleidertausch war ...

Verkleidete Frauen gingen mit ihrer Entscheidung ein hohes Risiko ein, da Staat und Kirche das Tragen von Männersachen oft sogar mit dem Tode bestraften ...

Das harte Leben auf See hielt eine ganze Reihe besonders mutiger Frauen nicht da-von ab, diesen ungewöhnlichen Weg einzuschlagen ... Viele von ihnen kamen aus den unteren Schichten und litten unter materieller Not. Sie sahen in der Seefahrt einen Bereich, in dem sie nicht nur ihren Lebensunterhalt verdienen konnten, sondern sogar berufliche Aufstiegsschancen besaßen. Da stets Seeleute gesucht wurden, war es für verkleidete Frauen relativ leicht, angeworben zu werden. Doch mußten sie große Sorgfalt darauf verwenden, nicht entlarvt zu werden ...

Zur Enttarnung kam es meistens nicht weil sie versagt hätten, dumm, schwächlich oder ängstlich gewesen wären, sondern meist nur durch einen Zufall.

An Bord war es ausgesprochen schwierig, den Rollen-tausch zu verbergen. Die en-gen Unterkünfte unter Deck, in denen die Mannschaft oft monatelang dicht gedrängt zusammenlebte, erlaubten keine Privatsphäre. Mangelnde Vorsicht beim Waschen oder Kleiderwechsel konnte da durchaus zur Entdeckung führen. Vielfach waren aber eine Verwundung oder eine Krankheit der auslösende Faktor ...“


aus ABENTEUER AUF SEE von Helga Helsper

edition ebersbach,Dortmund 1991